Die ewige Frage nach dem Glück
„Das Märchen vom Glück“ von Erich Kästner ist kurz an Zeilen, aber reich an Botschaften zwischen den Zeilen. Es ist eine kleine Geschichte mit einer dezent humorvollen Wendung in der Mitte. Darin begegnet ein Mann einem merkwürdigen Besucher: freundlich, bärtig, ein bisschen wie der Weihnachtsmann. Wer dieser Fremde ist, bleibt offen. Doch er kommt mit einer ungewöhnlichen Botschaft: Der Mann soll endlich mal glücklich sein und deswegen hat er drei Wünsche frei. Damit ändert er im Verlauf der Geschichte aber objektiv nichts an seiner eigenen Situation.
Klingt wie ein Geschenk des Himmels und doch läuft alles ganz anders, als erwartet. Kästner erzählt in knappen Worten eine tiefgründige Geschichte mit leiser Ironie, die eine überraschend ernste Frage aufwirft: Was ist eigentlich Glück?
Die Bedeutung von Wünschen für unser persönliches Glück
Vorsicht: Wünsche können Schaden anrichten!
Manche Wünsche sollte man sich wohl überlegen. Denn jeder Wunsch hat Konsequenzen. Im Verlauf der Geschichte vergeudet der Mann zwei Wünsche, weil er den vermeintlichen „Weihnachtsmann“ nicht ernst nimmt und einen unbedachten boshaften Wunsch äußert, den er mit einem weiteren Wunsch wieder gutmacht. Schlussendlich hat er so nur noch einen Wunsch frei. Wofür er den wohl einlösen wird?
Das Märchen erinnert an diesem Punkt an den Mythos von König Midas, der sich unüberlegt und gierig von einem magischen Wesen wünscht, dass alles zu Gold wird, das er berührt. Daraufhin wird wirklich alles zu Gold, das er berührt: seine geliebte Tochter, sein Essen und auch das Wasser, das er trinken möchte…
Braucht Glück Erfüllung? Oder eher Sehnsucht und unerfüllte Wünsche?
Die Geschichte legt nahe, dass das Streben, das Wünschen, das Hoffen selbst schon Teil des Glücks ist. Wer gar nichts mehr zu wünschen hat, hat womöglich auch nichts mehr, worauf er sich freuen kann.
Über sich selbst lachen und dabei die schönen Dinge des Lebens entdecken - jenseits von Wünschen
Mit feiner Ironie bringt Kästner uns zum Nachdenken, aber ohne zu belehren. Die Geschichte ist ein Spiegel, kein Zeigefinger. Sie zeigt uns, dass ein aufrichtiges Schmunzeln und ein wenig Humor wichtige Hilfsmittel sind, um langfristig glücklich zu sein. Denn der alte Mann erzählt seine Geschichte mit viel Ironie und Witz und lässt seinen Zuhörer staunend und mit vielen Fragezeichen zurück. Er zeigt, dass er über sich und seine eigenen Dummheiten selbst lachen kann.
Was können wir daraus für die Suche nach dem Glück lernen? Wer häufig lacht und vor allem auch über sich selbst lachen kann, nimmt sich selbst eine Last von den Schultern. Dadurch trainieren wir auch unsere Wahrnehmung dafür, die schönen Dinge des Lebens leichter zu bemerken. Und das Schöne zu erkennen und zu würden bringt uns einem glücklichen Leben wieder ein Stückchen zu näher. Ein sympathischer Kreislauf, den wir in Gang setzen könnten.
Das Märchen vom Glück ist besonders aufschlussreich für
- Alle, die gerne zwischen den Zeilen lesen.
- Menschen, die dem Glück auf die Spur kommen möchten.
- Diejenigen, die ganz unbedingt alle ihre Wünsche erfüllen wollen oder unerfüllte Wünsche betrauern.
Fragen zur Selbstreflexion
- Wären Sie glücklicher, wenn alle Ihre Wünsche erfüllt wären?
- Haben Sie vielleicht Sehnsüchte, die dem Leben einen besonderen Sinn geben?
- Was würden Sie sich wünschen, wenn Sie drei Wünsche freihätten? (Nach dem Märchen wissen Sie: Wählen Sie mit Bedacht!)
Ein Coaching-Impuls für ein (wunschlos?) glückliches Leben
Überlegen Sie gerade auch, ob Sie den Ausspruch „Wunschlos glücklich“ vielleicht neu interpretieren sollten?
Quellenhinweis: Dieser Beitrag bezieht sich auf das Buch „Das Märchen vom Glück“ von Erich Kästner, erschienen bei Verlag am Eschbach Verlagsgruppe Patmos in der Schwabenverlag AG, 2017.
Autorin: Nadia Wachter
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